Vom Leerraum zum Kunstraum

Aurich Innenstadt, am Ende der Osterstraße

Der Besucher spürt deutlich, dass er nun das Ende der Innenstadt erreicht hat. Die Große Mühlenwallstraße vor Augen steht er zwischen ein paar Auslagen der letzten übrig gebliebenen Läden und Schaufenstern bereits leer stehender Gebäude, die wie dunkle leere Augenhöhlen die triste Seelenlosigkeit des umgebenden Gebäudes widerspiegeln. Dieses Areal soll überbaut werden. Später … irgendwann …

Eines dieser Gebäude kennen die älteren Auricher noch als das Möbelhaus Jakobs. Über viele Jahrzehnte ein Familienunternehmen in dem man auf drei Etagen mit zuletzt knapp 1.500qm Verkaufsfläche alles für die Einrichtung der eigenen vier Wände bekommen konnte. Fehlende Erweiterungsmöglichkeiten bedeuteten das Aus und als wir 2005 nach Aurich kamen wurde gerade mal das Erdgeschoss noch von einer Filiale einer Textilhandelskette des unteren Preissegmentes genutzt. Die Immobilie war zwischenzeitlich in städtisches Eigentum übergegangen und stand mit dem Auszug des Discounters über ein Jahr leer – schließlich soll das Areal ja überbaut werden.

Diese Tristesse ein wenig aufzulockern lag im gemeinsamen Interesse von kunstinteressierten Aurichern, den ansässigen Kaufleuten und letztlich auch der Verwaltung. Es galt also einen organisatorischen Rahmen zu finden, mit dem man auf recht flexible Art dem innerstädtischen Leerstand mit alternativen Kunstprojekten begegnen konnte. Treibende Kraft dieses Projektes war die Auricher Stadträtin Gila Altmann, die zunächst mit der Künstlerin Inka Janßen das Konzept des temporären Kunstraumes als niederschwelliges Kulturangebot entwickelte. Städtischer Leerraum sollte dabei als Plattform für alle interessierten Aussteller nutzbar gemacht werden, ohne dabei deren Werk oder künstlerische Vita zu werten oder sonstige Zugangsbeschränkungen aufzubauen.

In September 2018 wurde dazu dann der “Zwischenraum – temporärer Kunstraum e.V.” gegründet. Als Gründungsmitglied habe ich damals die Vorstandsaufgabe des Kassenwartes übernommen und mit einer “Kernmannschaft” aus reichlich zehn Personen haben wir binnen weniger Wochen die erste Ausstellung organisiert und neben dem Aufbau einer Homepage, der Eintragung ins Vereinsregister, Kontoeröffnung, der Anerkennung der Gemeinnützigkeit und all diesen strukturellen Aufgaben am 26.10.2018 die erste Vernissage im Zwischenraum feiern können. Zum Jahreswechsel 2018/19 zählte der Verein bereits rund 50 Mitglieder. Inzwischen sind es weit über 100 und wir befinden uns gerade in Ausstellung Nummer 7. Begleitet werden diese Ausstellungen von einer Vielzahl kleiner Abendveranstaltungen von Rollenspielen über Kreativworkshops, Lesungen, kleinere Konzerte und und und…

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